News - Am Geisterhäuschen links ab

Ausgehend von Helmsingen führt der schmale Pfad hinauf in das Naturschutzgebiet Sonnebierg. Ein gutes Dutzend Orchideenarten wachsen in dem Areal, das seltenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet.

Auch in Walferdingen gilt die alte Regel: Wer einen schönen Ausblick haben möchte, muss erst irgendwo hinaufkraxeln. Kein Problem für die Mitglieder des Nordic Walking- und Wandervereins Walfer Deckelsmouken, vor denen an diesem Frühlingstag eine rund sieben Kilometer lange Tour liegt. Sie sind in der Region "bewandert", kaum eine Strecke, die sie noch nicht erkundet haben. Von Helmsingen aus, macht sich die Gruppe mit ihren Nordic Walking-Stöcken auf den Weg in das Naturschutzgebiet Sonnebierg. "Die Stöcke fördern eine ganzheitliche Bewegung, die auch den Oberkörper trainiert", erklärt Carol Gloden, der Präsident der Walfer Deckelsmouken, den Vorteil der Sportgeräte.

„Als diese Form des Wanderns damals bei uns aufkam, haben wir erst ein wenig verwundert geschaut“, verrät die Gruppe: "Prima, und wo sind jetzt die Skier?" Die anfängliche Skepsis ist lange verflogen, heute will keiner von ihnen das aufgestockte Wanderequipment mehr missen.

Der kleine Pfad schlängelt sich den Hang hinauf, vorbei an blühenden Hecken und Sträuchern. Vogelstimmen erfüllen die klare Morgenluft. Der Sonnebierg ist die Heimat zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, die andernorts selten geworden sind. Dann heftet sich der Blick auf "Timmy", denn Timmy ist nicht zu übersehen. 12 Meter ragt der markante Holzturm, den die Pfadfinder aus Walferdingen und Beggen gemeinsam errichtet haben, in den Himmel. Sie haben damit einen Ort geschaffen, der eine besonders eindrucksvolle Aussicht auf das Alzettetal eröffnet.

Der von den Lëtzebuerger Guiden a Scouten aus Walferdingen und Beggen errichtete Timmy den Tuerm eröffnet einen fantastischen Ausblick auf das Alzettetal.

Apropos neue Blickwinkel. "Man bekommt in der Natur den Kopf frei, tut etwas für seine Gesundheit und ist mit netten Leuten unterwegs", erzählen Josette Gloden und Yvette Piron von ihrer Begeisterung für das Wandern. Und klar, Nordic Walking wird unterwegs gerne auch einmal zu "Nordic Talking" umfunktioniert, denn das gemeinsame Wandern verbindet. Meistens zumindest. Ab und an kommt der sportliche Ehrgeiz durch, wie Mitglied Alphonse Theis erklärt. "Wenn einer vor dir ist, dann denkst du dir: Na ja, den könntest du eigentlich einholen. Danach ist vielleicht noch jemand in Sichtweite. Auch machbar … Das spornt an." Doch die Geschwindigkeit bringt Nachteile mit sich, wie Alphonse Theis mit einem Schmunzeln zugibt: "Ich wandere am liebsten etwas flotter, dann übersehe ich schon mal die eine oder andere Wegmarkierung. So wird der Ausflug unter Umständen etwas länger."

Der Weg der Wandergruppe führt auf dem Kutschenweg entlang, auf dem die großherzogliche Famile einst aus dem Tal der Alzette hinauf in den Grünewald gefahren ist.

Im Wald "auf der Strecke zu bleiben", lohnt sich insbesondere auf dem 7,3 Kilometer langen historischen Rundweg Grünewald. Er führt unter anderem auf die Spuren der großherzoglichen Familie. Bäume gibt es im Wald zwar naturgemäß reichlich, doch einige sind besonderer als das gemeine Durchschnittsgrün. So wie sechs hochaufragende Eichen, die eine wahrlich fürstliche Größe erreicht haben. Nicht verwunderlich, schließlich handelt es sich hierbei um die "sechs Prinzessinnen”. Ein Erklärungsschild gibt Auskunft: Zwischen 1894 und 1902 sind die Bäume zu Ehren der sechs Töchter von Großherzog Wilhelm IV. gepflanzt worden. Weiter führt der Weg durch den Forst, zu einem Ort mit einem eigenwilligen Namen: dem „Geeschterhaischen“.

Erklärungstafeln entlang des historischen Rundwegs Grünewald erzählen unter anderem von den sechs Prinzessinnen-Eichen und ihren fürstlichen Namensgeberinnen.

Das „Geeschterhaischen“ ist heute eine eher unscheinbare Ansammlung von Steinen und Holz, doch einst stand an dieser Stelle ein Jagdhaus, das von Großherzog Adolph und später von seinem Sohn Wilhelm IV. als Freizeitdomizil genutzt wurde. Mit den Jahren ist es verfallen. Orte und Ruinen in Wald und Feld, die die Menschen zu früherer Zeit nicht recht zu deuten wussten, wurden zum Quell für die Fantasie. Auch mit den „Raschpëtzer“ konnte zu früherer Zeit sicherlich niemand etwas anfangen und so wurden die römischen Wasserleitungen kurzerhand zum Wichtelloch erklärt. Wichtels Wohnzimmer?

Heute nur noch eine Ruine, aber einst das Jagdhaus der großherzoglichen Familie: das Geeschterhaischen. Der Weg der Wandergruppe führt auf dem Kutschenweg entlang, auf dem die großherzogliche Famile einst aus dem Tal der Alzette hinauf in den Grünewald gefahren ist.

Zu solch abenteuerlichen Begründungen muss heute niemand mehr greifen. Dafür sorgt der 3,6 Kilometer lange „Réimerpad“ des Syndicat d'Initiative et de Tourisme Walferdange (SIT), der an der Römervilla in Helmsingen seinen Startpunkt hat. Erklärungstafeln geben sowohl detaillierte Einblicke in den Aufbau der Villa als auch die Funktionsweise des „Raschpëtzer-Qanats“. Der jüngeren lokalen Geschichte widmet sich der 5,2 Kilometer lange "Gipspad", der den Gipsabbau in den Blick nimmt. Zu beiden Wegen hat der SIT Flyer herausgegeben, die die Pfade detailliert beschreiben.

Der vom Syndicat d'Initiative et de Tourisme Walfer ausgewiesene Réimerpad beginnt in Helmsingen bei der Römervilla und führt dann zum Raschpëtzer-Qanat.

Der nächste Wegpunkt ist erreicht. Auch sein Name gibt Rätsel auf, lässt schauerliche Theorien im Kopf entstehen und wenn die Sonne nicht im Zenit am Himmel stehen würde, könnte sich bei empfindsamen Seelen ein leises Frösteln einstellen. Ein weißes Kreuz erhebt sich am Wegesrand. Es wird allgemein "Doudeg Fra" (Tote Frau) genannt. Erklärungen für diesen düsteren Namen gibt es viele. Sie reichen von dem Verweis auf eine prähistorische Kultstätte zu Ehren der heidnischen Großen Mutter bis hin zum Schicksal der Elisabeth von Görlitz im 13. Jahrhundert. Die verschuldete Fürstin soll an dieser Stelle die Pfandschaft Luxemburg an den Herzog Philipp von Burgund mit den Worten "Nun bin ich eine tote Frau" übergeben haben. Im übertragenen Sinne, denn eine mittellose Witwe zu sein – das kam zu früheren Zeiten einem gesellschaftlichen Todesurteil gleich.

Das Wegkreuz Doudeg Fra, um das sich viele Geschichten und Gerüchte ranken.

Weniger dramatisch muten die Stationen des Trimm-dich-Pfades an. Fitnessfreunde finden hier die kleine, sportliche Herausforderung am Rande. Durch einen Ring hechten, unter Stangen hindurchkrabbeln, oder den Rücken stärken – die Geräte laden zum Mitmachen ein. Der Weg führt weiter zum Geierbierg und hier eröffnet sich abermals ein beeindruckendes Panorama auf die sich im Tal ausbreitende Stadt.

Am Geierbierg eröffnet sich ein beeindruckendes Panorama. Ein hier eingerichteter Aussichtspunkt lädt zum Verweilen ein.

Rund um Walferdingen erstrecken sich Wege jeden Schwierigkeitsgrades, die regelmäßig instandgesetzt und gepflegt werden. Mehrere Rastplätze säumen die Strecken. Vom ebenen und problemlos zu begehenden Naturpfad an der Alzette bis hin zu Strecken, die ausgeprägte Steigungen enthalten, kann jeder nach Verfassung, Lust und Kondition ein individuelles Programm zusammenstellen. Für Anfänger ist eine Tour von etwa einer Stunde Dauer ideal.

Egal um was für einen Wanderausflug es sich handelt, auf den letzten Metern greift das berüchtigte Endspurt-Phänomen à la "Füllt sich bald der Teller, läuft es sich noch etwas schneller". Kurz vor dem Ziel zieht das Tempo erfahrungsgemäß noch einmal an, beobachten die Wanderer. Dann sind kühle Getränke und Würstchen quasi in Sichtweite – und müde Beine damit schon halb vergessen.

 

Informationen zu lokalen Wander- und Kulturwegen sind bei der Gemeindeverwaltung und beim Syndicat d'Initiative et de Tourisme (SIT) unter www.sitwalfer.lu erhältlich. Der Verkehrsverein SIT sowie beispiels- weise der Club Haus am Becheler veranstalten in regelmäßigen Abständen geführte Exkursionen. Weitere Informationen zu regionalen und überregionalen Wanderungen gibt es bei den Walfer Deckelsmouken www.walfer-deckelsmouken.lu. Mit dem Laufclub Walfer Huesen lassen sich zudem unter fachkundiger Anleitung zahlreiche Laufstrecken entdecken. www.huesen.lu. Eine Fernsehreportage zu diesem Thema sehen Sie im Mai auch auf Walfer Buet Tv.

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